Verdichtete Zeit

Mark Dion, Goshka Macuga, Monira Al Qadiri, Ed Ruscha, Niloufar Shirani

16. Oktober – 16. Dezember 2026

Goshka Macuga - Latent Image

Goshka Macuga, Latent Image (Vertical Blue, Oil Rigs), 2020, © Goshka Macuga, VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Courtesy the artist and Galerie Rüdiger Schöttle, Munich

Ausstellungsort

ERES Projects
Theresienstraße 48
80333 München

Lageplan auf Google Maps

Ausstellungseröffnung

Freitag, 16. Oktober 2016, 19 Uhr

Öffnungszeiten

Freitag, 14 – 18 Uhr
und nach Vereinbarung

Ausstellung

Öl ist verdichtete Zeit – entstanden aus den Überresten urzeitlichen Lebens, verborgen in den geologischen Schichten der Erde. Kaum ein Stoff verknüpft Natur, Energie und menschliche Imagination so unmittelbar. Die Ausstellung bei ERES Projects widmet sich einem Rohstoff, der seit mehr als einem Jahrhundert Landschaften, Ökonomien und gesellschaftliche Vorstellungen prägt. Als Quelle von Fortschritt und Wohlstand steht Öl zugleich für Umweltbelastungen und die Herausforderungen einer fossilen Abhängigkeit. Zwischen Erdgeschichte und globaler Infrastruktur entfaltet sich ein komplexes Geflecht, in dem sich Natur, Ökologie, Wirtschaft und Kultur zu Narrativen von globaler Tragweite verweben.

Die Arbeiten der kuwaitischen Künstlerin Monira Al Qadiri führen in die widersprüchliche Beziehung zwischen Meer und petrochemischer Energiegewinnung. Ihre leuchtenden Bullaugen erinnern daran, dass die ersten Öltanker nach Meeresmuscheln benannt wurden – ein poetisches wie paradoxes Echo auf die Verflechtung von mariner Welt und Rohstoffindustrie. Goshka Macugas Tapisserie thematisiert mit gewebten Strukturen und fotografischen Elementen einer Ölplattform die Auswirkungen des Anthropozäns, insbesondere die durch die Industrialisierung verursachte Umweltzerstörung. Mark Dion nutzt Teer als Metapher für die Transformation organischen Materials durch industrielle Prozesse. Seine schwarz eingefärbte Vogelskulptur verkörpert die Verletzlichkeit von Ökosystemen gegenüber erdölbasierter Verschmutzung. Ed Ruschas ikonisches Künstlerbuch zeigt scheinbar beiläufige Aufnahmen von Tankstellen entlang der Route 66. Wie die Seiten eines nüchternen Archivs dokumentieren sie eine Infrastruktur, die Landschaften formt und unsere Abhängigkeit von fossilen Energiesystemen sichtbar macht. Niloufar Shirani interessiert sich für die widerstreitenden Kräfte von Öl und Wasser, das Nebeneinander-Existieren und Sich-Durchdringen, ohne sich jemals vollständig zu vermischen. Der iranischen Künstlerin geht es dabei um die Fluidität der Gedanken.

Die Ausstellung zeichnet ein vielschichtiges Bild von Öl als Ressource und kulturellem Bedeutungsträger, dessen Spuren unsere Gegenwart ebenso prägen wie unsere Vorstellungen von der Zukunft.