Alter + Ego

30. Juni – 29. Oktober 2022

ERES-Stiftung

Karl Lagerfeld - A Portrait of Dorian Gray

Karl Lagerfeld, A Portrait of Dorian Gray, 2004, 8 Fotografien (Acryldruck), je 70 x 50 cm
© The Estate of Karl Lagerfeld, Courtesy Steidl

Das „Unsterblichkeits-Gen“ ist entdeckt, die Epigenetik bietet neue Chancen für eine Verlängerung der Lebensspanne. Dem durch Gesundheitselektronik quantifizierten Ego scheint die Zukunft zu gehören, Exoskelette und Entwicklungen aus der Robotik ermöglichen eine optimierte Leistungsfähigkeit. Die Ausstellung „Alter + Ego“ beleuchtet mit künstlerischen Positionen die Verheißungen des „Human Enhancement“ in seinen verschiedenen Facetten und geht der Frage nach, wie wir als Ego mit dem Alter und der Vergänglichkeit zurechtkommen.

Ausstellungsort

ERES-Stiftung
Römerstr. 15
80801 München

Lageplan auf Google Maps

Öffnungszeiten

Donnerstag, 14–18 Uhr
Samstag, 11–18 Uhr und nach Vereinbarung (Tel. 089 388 79 0 79)

Führungen

Donnerstag, 30. Juni 2022, 17 Uhr
Samstag, 9. Juli 2022, 15 Uhr
Donnerstag, 21. Juli 2022, 17 Uhr
Samstag, 30. Juli 2022, 15 Uhr

Ausstellung

Vielleicht ist ja alles ein Irrtum: Der körperliche Verfall, der geistige Abbau, das Alter, der Tod? Schließlich bietet die menschliche Vorstellungskraft eine Fülle von Auswegen, der körperlichen Vergänglichkeit zu entkommen. Schneewittchen bewahrt durch jahrelangen Schlaf seine Schönheit, Dorian Gray lässt ein Porträt altern statt seiner selbst, Ikarus überwindet mit Flügelprothesen die Grenzen seines Skeletts. Der Wunsch des Menschen, seinem biologischen Körper zu entweichen, ist uralt. Und seine Erfüllung scheint durch Fortschritte in Gentechnologie und künstlicher Intelligenz greifbarer denn je. Die Entdeckung des „Unsterblichkeits-Gens“ FoxO3, potenzielle Steigerungsmöglichkeiten der Telomerase-Aktivitäten zur Verlangsamung des Alterns und neue Erkenntnisse der Epigenetik lassen auf eine deutliche Verlängerung der eigenen Lebensspanne und sogar der unserer Nachkommen hoffen. Unterstützt wird dieses Versprechen durch tragbare Gesundheitselektronik wie Smartwatches für bessere Kondition, Fitness-Ringe, die selbst den richtigen Empfängniszeitpunkt vorhersagen oder Schuheinlagen, die das Gleichgewicht dokumentieren. Dem quantifizierten Ego scheint die Zukunft zu gehören. Tracker und Apps helfen dabei, den Körper tiefer und genauer zu vermessen, Makel rechtzeitig zu erkennen und eine gesunde Lebensführung angemessen zu belohnen – Datenmissbrauch eingepreist. Coaching-Angebote zur Selbstoptimierung sowie Schönheitsoperationen boomen. Lässt die Körperkraft nach, stehen modernste Prothesen und hilfreiche Entwicklungen aus der Robotik zur Verfügung. Exoskelette erweitern Wirbelsäule, Arme und Beine und ermöglichen körperliche Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter.

Techno-Utopisten aus dem Silicon Valley begreifen das Alter ohnehin als überwindbare Krankheit und sehen den biologischen Körper in seiner derzeitigen Form als fehleranfällig und von zu mühsamer Instandhaltungsroutine gezeichnet an. So soll beispielsweise Googles biotechnologische Abteilung „Calico“ den Alterungsprozess lösen helfen. Noch einen Schritt weiter gehen die Fantasien der Transhumanisten. Sie sehen die Menschheit vor der nächsten Evolutionsstufe und glauben, dass mittels KI das menschliche Bewusstsein künftig in der Cloud hochgeladen werden kann und sich durch Robotik, künstliche Intelligenz und virtuelle Realität Parallelkörper entwickeln lassen. Bis es so weit ist, bietet sich die Kryonik, das Einfrieren von Kopf oder gesamtem Körper in „Cephalon-Boxen“ oder mit Flüssig-Stickstoff gefüllten Aluminiumkapseln, als Übergangslösung an.

Entwarnung also? Versprechen uns Medizin und Technologie schon bald nicht mehr nur eine steigende Lebenserwartung, sondern sogar Unsterblichkeit? Schön wär’s – oder nicht? Die Ausstellung „Alter + Ego“ beleuchtet mit künstlerischen Positionen die Verheißungen des „Human Enhancement“ in verschiedenen Facetten und geht der Frage nach, wie wir als Ego mit dem Alter und der Vergänglichkeit zurechtkommen. Denn hat nicht ein winziges Virus in der Corona-Pandemie die modernen Jungbrunnen-Fantasien auf den harten Boden der Realität zurückgeholt und gezeigt: Mit Alter und Tod verknüpfte Erfahrungen wie Fürsorge, Abschied und Trauer bleiben elementare, zutiefst menschliche Empfindungen, die unsere Spezies ausmachen.

Künstler

Marina Abramović, Mona Ardeleanu, Albrecht Ludwig Berblinger, Julian Billmair, Ulrich Blum, eres/colliders, Sibylle Fendt, Alex Van Gelder, Karl Lagerfeld, Berenice Olmedo, Stefan Panhans, Elisa Giardina Papa, Daniel Preisler, Jeremy Shaw, Thomas Silberhorn, Taryn Simon, Superflux, Juergen Teller, Janina Totzauer, Max Weisthoff

Vorträge

  • Donnerstag, 14. Juli 2022, 19 Uhr

    Können wir das Altern abschaffen?
    Prof. Dr. Christoph Englert
    Forschungsgruppe Molekulare Genetik am Leibniz-Institut für Alternsforschung, Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI), Jena

    ERES-Stiftung
    Römerstr. 15, 80801 München

  • Montag, 18. Juli 2022, 19 Uhr

    Schöner neuer Mensch. Ist künftiges Leben nicht mehr an die Biologie des Körpers gebunden?
    Prof. Dr. Stefan Lorenz Sorgner
    Chair of the Department of History and Humanities, John Cabot University, Rom

    ERES-Stiftung
    Römerstr. 15, 80801 München

  • Donnerstag, 22. September 2022, 19 Uhr

    Schlaue Roboter – Alter und Maschinenintelligenz
    Prof. Dr. Sami Haddadin
    Direktor des Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence (MIRMI), Inhaber des Lehrstuhls für Robotik und Systemintelligenz an der TU München

    ERES-Stiftung
    Römerstr. 15, 80801 München
    Der Vortrag wird ca. 2 Wochen vor dem Termin zur Anmeldung freigeschaltet.

  • Donnerstag, 13. Oktober 2022, 19 Uhr

    Gibt es ein Unsterblichkeits-Gen?
    Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Bosch
    Zell- und Entwicklungsbiologe, Direktor des Zoologischen Instituts der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

    ERES-Stiftung
    Römerstr. 15, 80801 München
    Der Vortrag wird ca. 2 Wochen vor dem Termin zur Anmeldung freigeschaltet.

  • Mittwoch, 26. Oktober 2022, 19 Uhr

    So können wir unsere Gene steuern: Die Chancen der Epigenetik für ein langes, gesundes Leben (in englischer Sprache)
    Prof. Dr. Isabelle Mansuy
    Departement Gesundheitswissenschaften und Technologie, Institut für Neurowissenschaften, ETH Zürich

    ERES-Stiftung
    Römerstr. 15, 80801 München
    Der Vortrag wird ca. 2 Wochen vor dem Termin zur Anmeldung freigeschaltet.

Audios

© Bayern2, kulturWelt, 29. Juni 2022, Barbara Knopf

(Audio: 8,98 MB)